Archive for Oktober, 2009
You don’t have to be pretty

You don’t owe prettiness to anyone. Not to your boyfriend/spouse/partner, not to your co-workers, especially not to random men on the street. You don’t owe it to your mother, you don’t owe it to your children, you don’t owe it to civilization in general. Prettiness is not a rent you pay for occupying a space marked “female”.
(from “A Dress A Day” blog)
Immer wenn der Castor rollt…
Sehr cool gemacht! :)
Mensch, du bist gefeuert!
Menschsein und Arbeiten lässt sich scheinbar immer weniger miteinander vereinbaren.
Auf einem Blatt stehen die Chefs, die ihre Mitarbeiter wegen Frikadellen, Maultaschen, Babybetten vom Sperrmüll oder Pfand-Bons entlassen möchten. Mitarbeiter, die jahrelang im Betrieb waren und nun ohne Abmahnung gehen sollen. Mir jedenfalls drängt sich hier ganz klar der Gedanke eines Vorwands auf.
Aber an einer anderen Front – und das finde ich mindestens genauso bedenklich – kämpfen die ganzen “Karriere-Coaches”. Sie empfehlen der arbeitenden Bevölkerung und denen, die gerne dazu gehören möchten, bestimmte Verhaltensweisen entweder an den Tag oder schnellstmöglich abzulegen.
Wir sind keine Menschen mehr heutzutage, wir sind eine perfekt gekleidete Effizienz-Armee mit dem Smartphone auf 24/7-Empfang! Wahlweise auch eine Armee von still gehorsamen Discount-Arbeitern, die für einen lächerlichen Lohn, von dem sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, immer mehr und mehr Aufgaben übernehmen müssen.
Wer einmal an einem Montag Morgen getwittert hat, dass er müde ist, ist für die Wirtschaftswelt künftig untragbar. Keine Lust, dass der Urlaub schon zu Ende ist? Lieber Zeit mit der Familie oder den Freunden verbringen? Wie kann man es nur wagen, so etwas öffentlich zuzugeben? Ein Party-Foto im StudiVZ gehabt? Keine Chance mehr auf einen guten Arbeitsplatz! Frei haben wollen für einen Arzt-Termin? Sie haben wohl den Spirit unseres Unternehmens noch nicht verinnerlicht! Der Mensch hinter dem Arbeitnehmer muss jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit verschwinden, sonst wird er sofort in Frage gestellt.
Ich weiß nicht, in wie vielen Betrieben ein Klima von Angst, Druck und Psycho-Terror herrscht. Es müssen eine Menge sein. Selbst, wenn man sich an all diese Regeln hält, hat man keine Garantie, dass alles gut läuft am Arbeitsplatz. Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen nehmen immer weiter zu. Ich kenne einen, der musste sich jeden Montag Morgen vor der Arbeit übergeben, weil er so Angst hatte, seinem Chef zur Wochenanfangs-Besprechung gegenüber zu treten. Mittlerweile hat er Gott sei Dank einen anderen Job gefunden. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie gekündigt hat, weil sie die ständige Überwachung (Chipkarte, stündlicher Bildschirm-Scan, Telefoncheck) durch ihre Firma nicht mehr ertragen konnte. Heute Morgen hab ich noch gelesen, dass sich 25 Mitarbeiter der France Telecom sich wegen ihres Jobs umgebracht haben. Und wenn man sich mal die Gesichter der KassiererInnen in den üblich verdächtigen Discountern anschaut, sprüht da auch meist nicht gerade die pure Lebensfreude.
In was für einer Welt leben wir, wenn Menschen so fertig sind von der Sache, mit der sie täglich einen Großteil ihrer Zeit verbringen müssen? Wenn sie ihr gesamtes Leben nach den Profit-Zielen und CI-Regeln ihres Arbeitgebers ausrichten müssen?
Das Ganze ist doch irgendwie mal entstanden, weil der Dorf-Schreiner mehr zu tun hatte, als er alleine schaffen konnte und sich einen Gehilfen gesucht hat, dem er dann etwas von seiner Entlohnung abgegeben hat. Irgendwas hat sich da wohl falsch entwickelt im Laufe der Zeit…
Mindestlohn
Musste an anderer Stelle ein paar Sätze dazu schreiben und da es hier extrem an Inhalt mangelt… voilà:
Nach zwei Wochen schwarz-gelb am Ball ist der Mindestlohn wohl in extremer Gefahr. An großflächige Einführung mag ich vorerst überhaupt nicht mehr glauben, aber auch die Bereiche, in denen er bereits eingeführt wurde, fangen wieder an zu wackeln.
Dabei liegt die Sache für mich einfach und logisch auf der Hand. Das Grundprinzip von Arbeit ist, dass der Mensch damit seinen Lebensunterhalt bestreitet. Warum wurde dies überhaupt jemals in Frage gestellt? Gewisse andere Dinge werden von Unternehmen ja auch nicht angetastet. Wer würde darüber nachdenken, ob ein Dach über der Firma wirklich nötig ist? Ob ein Telefonanschluss nicht irgendwie umgangen werden kann? Ob man wirklich einen Schreibtisch oder einen Computer braucht? Gewisse Dinge sind eben unverzichtbar, für den Unternehmer genauso wie für den Mitarbeiter. Wer Vollzeit arbeitet muss davon leben können (sagt das nicht auch der gelbe Guido?) – und zwar ohne staatliche Zuschüsse. Diese dienen der Gewissensberuhigung des niedrig-zahlenden Unternehmers und verschleiern die eigentliche Sachlage.
Letztens in einer Diskussion zum Thema sagte mir ein Unternehmer: „Stell dir vor, du hast ein Reinigungsunternehmen und musst plötzlich statt 4,00 EUR ab nächsten Monat 7,00 EUR die Stunde bezahlen, dann kannst du einpacken!“ Meine Antwort: „Ich hätte niemals ein Unternehmen, in dem ich meinen Mitarbeitern 4,00 EUR die Stunde bezahle.“
Zum Einen ist das schlicht und einfach unmoralisch. Ich persönlich könnte das mit meinem Gewissen überhaupt nicht vereinbaren. Für mich steht das auf einer Stufe mit „Meiner Schwester den Lieblings-Pullover klauen, weil er mir auch so gut gefällt“ oder „Meiner Oma mit traurigem Blick erzählen, dass ich mir das neue Handy leider nicht leisten kann, das ich so gerne hätte, bis sie mir das Geld dafür gibt.“
Und zum Anderen: Wo bitte soll das denn hinführen? Es wird immer einen geben, der es noch günstiger macht, einen, der sich bereit erklärt, den anderen zu unterbieten. Irgendwo in der Stadt, irgendwo im Land, irgendwo auf der Welt, irgendwo anders eben. Wo jemand durch schlechtere Lebensumstände dazu gezwungen wird, einfach alles anzunehmen. Oder wo Gesetze zum Schutz des Menschen nicht so ausgeprägt sind und die Arbeitnehmer bis an und auch über ihre Grenzen getrieben werden.
Es gab mal eine Zeit, in der wurde Wertarbeit geschätzt. Vor allem die deutsche. Made in Germany als besonders wertvolles Prädikat, hab ich so in der Schule noch gehört. Und heute? Alles muss billiger, billiger, billiger. Und noch billiger. Wo es herkommt, ist doch egal! Alle sagen „Wir können ja nichts dafür, die Preise werden von den Lieferanten, den Verbrauchern, den Politikern diktiert!“ Es gibt natürlich eine Menge Menschen, die darauf angewiesen sind, dass es günstige Dinge des alltäglichen Bedarfs zu kaufen gibt. Aber woran liegt es wohl, dass es immer mehr werden?
Möchten wir diese Abwärtsspirale wirklich weiter vorantreiben?
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