Archive for Dezember, 2009
Thanks for Working
Seit meinen Anfängen im Berufsleben habe ich immer in nächster Nähe zur Arbeit gewohnt und habe zu Fuß, mit dem Fahrrad und manchmal auch mit dem Auto, dabei oft noch leicht verträumt, einen maximal zehnminütigen Weg zurückgelegt. Das hat sich ja am 12. Oktober schlagartig geändert.
Seit elf Wochen nun stehe ich in der Woche um 6:00 auf und trete ca. eine Stunde späte eine kleine Reise durch NRW an. Und ich muss sagen, ich bin ehrlich beeindruckt!
Ich öffne die Haustür und da liegt meine Zeitung. Jeden Tag.*
Der Vorraum der U-Bahn, die Treppe und die Gleise sind aufgeräumt und sauber, der Getränke- und Süßigkeiten-Automat ist befüllt. Jeden Tag.
Die U-Bahn kommt pünktlich. Jeden Tag.
Ich gehe in den Bahnhof, und die Frau mit dem braunen Pferdeschwanz und der dunkelhäutige Mann verkaufen freundlich Brötchen und Kaffee an die ganzen anderen Menschen, die auch so früh schon unterwegs sind. Jeden Tag.
Ich gehe hoch zum Gleis und die Bahn 1 kommt maximal fünf Minuten zu spät. Jeden Tag. Außer zweimal.
In Duisburg steige ich aus und gehe in den Bahnhof, wo eine andere Frau mit braunem Pferdeschwanz Schnitzel, Würste und Frikadellen brät. Wer auch immer morgens sowas essen möchte. Jeden Tag.
Ich gehe zum Gleis und warte auf Bahn 2, die immer pünktlich da ist. Jeden Tag. Außer zweimal.
In Mönchengladbach gehe ich runter in den Bahnhof und sehe den Blumenmann und seine Frau, die in ihrem Laden stehen. Jeden Tag.
Draußen liefern Menschen in LKW Waren an. Menschen warten auf Ihren Bus. Die Bäckerei-Frau im fast leeren Vituscenter verkauft tapfer Brötchen und jemand fegt oder streut die Bürgersteige. Jeden Tag.
Dann kommt pünktlich mein Bus, der mich zur Arbeit bringt. Jeden Tag. Außer zweimal.
Die Republik tickt wie ein Schweizer Uhrwerk, jeder ist an seinem Platz und macht seinen Job. Ich finde das wirklich faszinierend. Einerseits ist es wohl das Gegenteil vom freien, unabhängigen Leben, dass sich die Menschen in ihren Herzen so wünschen. Andererseits bin ich sehr dankbar, dass ich mich auf das Ganze so verlassen kann. Und so erscheint es mir gar nicht roboterhaft und abstoßend, sondern eher rührend. Manchmal möchte ich jedem einzelnen sagen “Toll, dass du das immer so machst hier!”
* Es sei denn, mein Nachbar hat sie geklaut. Das finde ich auch beeindruckend, aber auf eine andere Art.
Schöner Leben in 2010
Huch, morgen ist Silvester und obwohl ich doch jetzt total online bin, hab ich schon wieder zwei Wochen nichts geschrieben. Seit Heiligabend habe ich mich aber auch total verkrochen, genau einmal die Tagesschau geguckt, nämlich heute (Nacktscanner? Im Ernst?) und auch keine Zeitung mehr gelesen.
Deswegen bin ich zwar einerseits total uninformiert, was Politik und Zeitgeschehen angeht, hatte aber andererseits sehr viel Zeit, in mich zu gehen und mich mit den elementaren Bereichen des Lebens zu beschäftigen:
Mate: check.
Familie: check.
Job: check.
Engagement: check.
Gesundheit: check.
Fitness: ääh…
Nachdem ich nun seit Mitte Oktober werktäglich ca. zwölf (!) Stunden auf meinem Hintern gesessen habe, nämlich zwei in Zug und Bus, acht im Büro, wieder zwei in Zug und Bus, muss ganz dringend ein Ausgleich her. Sonst sieht man es ihm nämlich bestimmt bald an, da hilft auch mein Yoga-Dienstag nicht mehr.
Da bei den o.g. zwölf Stunden ja nicht mehr viel Zeit übrig bleibt in der Woche, müssen kreative Ideen her. Ich bin nämlich überhaupt nicht der Typ “Hey, endlich Wochenende, da geh ich doch jetzt mal stundenlang joggen, schwimmen und Badminton spielen!” Meine Lieblingsbeschäftigungen im Alltag sind nämlich so wahnsinnig bewegungsintensive Dinge wie Lesen, Essen, durch die Stadt schlendern, am Rechner sitzen, DVD gucken, Kino usw.
Da es aber ja der einzige Vorsatz ist, müsste das doch irgendwie zu schaffen sein! Erstes Brainstorming hat ergeben, nicht mehr mit der U-Bahn zum Bahnhof, sondern zu Fuß, einen Crosstrainer erwerben, um abends doch wenigstens eine halbe Stunde Bewegung einzuschieben, Mittagspausen-Gymnastik und ein fester Badminton-Termin mit dem Mate. Aber ehrlich gesagt, graut es mir ein bisschen vor all der Anstrengung…
Es gibt Bio, Baby
Wir haben den Dezember zum Bio-Test-Monat auserkoren. Letztens haben wir nämlich hier in der Nähe einen Bio-Supermarkt entdeckt und erkundet. Und der war preislich gar nicht so abschreckend wie der in MG und deswegen einen weiteren Versuch wert. Er sieht ein bisschen knüsselig aus, ungefähr wie ein altes Aldi, aber wir wollen ja Inhalte und keinen schönen Schein. Bis jetzt haben wir dort so ziemlich alles gefunden, was wir brauchen, auch wenn das momentan hauptsächlich Mandarinen sind. Im Supermarkt befindet sich auch ein Bio-Metzger mit einer netten Metzgersfrau aus Willich, die uns schon leckeres Putenfilet und Schweineschnitzel verkauft hat. Beides preislich überhaupt nicht zum Umfallen.
Diesen Monat funktioniert das dann so: Alles, was wir zu essen kaufen, muss aus dem Bio-Supermarkt sein. Was es dort nicht gibt, darf auch von woanders sein, aber muss Bio sein. Was es gar nicht in Bio gibt, muss Ökotest “sehr gut” oder “gut” haben. Alles andere wird von der Einkaufsliste gestrichen. Essen gehen ist auch erlaubt, aber nicht bei Mc Donald’s ;) Wenn der Monat rum ist, schauen wir, wie viel mehr Geld wir ausgegeben haben und ob wir das weiter so machen.

Bisher ist alles prima. Und die berühmten Butterbrote sind noch leckerer als sonst ;)
Der Umweltminister empfiehlt…
Sonntag Abend in der Tagesschau. Der Satz musste ein bisschen nachklingen, bis ich ihn wirklich begriffen habe:
“Bundesumweltminister Röttgen empfiehlt den Bau neuer Kohlekraftwerke.”
Das ist interessant. Nochmal eben zur Erinnerung:
1) Der Bundesumweltminister ist der Mensch, der bei uns dafür verantwortlich ist, dass die Interessen der Umwelt gewahrt werden. Laut Ministerium selbst sind die aktuellen Arbeitsschwerpunkte die folgenden:
- Klimaschutz
- Umwelt und Energie
- ökologische Industriepolitik
- Arbeit und Umwelt
- biologische Vielfalt
2) Ein Kohlekraftwerk ist ein Elektrizitätswerk, das mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 38% Strom erzeugt und dabei pro Kilowattstunde ca. 1000g CO2 in die Atmosphäre pustet.
Seine Begründung lautet, dass Kohlekraftwerke die Brückentechnologie zu den erneuerbaren Energien sein müssen. Bisher stand Kohle doch immer am einen Ende der Brücke. Atomkraft nämlich sollte die Brückentechnologie zwischen Kohle und Erneuerbaren sein. Um das mal kurz zusammenzufassen, wir haben also eine Brücke, die Kohle durch Kohle und Atom mit erneuerbaren Energien verbindet. Um das zu skizzieren, müsste man über besondere Fähigkeiten der perspektivischen Zeichnung verfügen.
Auf der Website des BMU wird Röttgen zitiert mit “Es gibt keine Alternative zum Erfolg von Kopenhagen.” Und mit neuen(!) Kohlekraftwerken erreichen wir die Klimaziele? Besser als mit Investitionen in die Erforschung und Weiterentwicklung alternativer Energieformen? Wie lange muss so ein Kohlekraftwerk eigentlich laufen, damit es sich rentiert? Nur damit wir mal wissen, wann wir denn anfangen, uns wirklich mit den klimafreundlichen Energien zu beschäftigen…
Spielt er eigentlich mit dem RWE-Vorstand Golf? Hat er einen tollen Job bei EnBW in Aussicht?
Was kommt als nächstes?
Der Bundesgesundheitsminister empfiehlt:

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