Blümchenguerilla

Im täglichen Kampf für eine bessere Welt

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Die beschränkte Welt des Herrn R. aus K.

Wenn irgendjemand so etwas erzählt, ist das schon beleidigend, schwachsinnig und haarscharf an der Grenze zum Rassismus. Wenn jemand so etwas erzählt, der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist (was sich hoffentlich nächsten Juni erledigt hat) und dies auch noch öffentlich tut, ist das wirklich kaum zu fassen.

Natürlich hat er das ja alles nicht so gemeint und wollte niemandem zu nahe treten und niemanden verletzen. Stammtischparolen, die die Leute für dumm verkaufen sind das. Ich hasse diesen Muff!

Die deutschen sind also die Fleißigen? Interessante These…

Ich möchte hier mal beispielhaft von meinem Quasi-Kollegen Andrei N. berichten, der in Rumänien (na so ein Zufall) in einer Software- und Internetfirma arbeitet, mit der wir viele Projekte realisieren. Wenn ich morgens ins Büro komme und Skype anmache, ist er schon online (gleichbedeutend mit “am Arbeitsplatz”). Ist ja normal, wegen der Zeitverschiebung. Wenn ich aber nachmittags gehe – auch wenn ich länger bleibe, was nicht besonders oft vorkommt – ist er noch online. Und wenn ich am nächsten Morgen zur Arbeit komme, habe ich oft E-Mails von ihm mit der deutschen Zeit 18:30 o.ä. Das muss dann wohl eine Ausnahme sein.

Und wer es lieber wissenschaftlich mag:

Nach Angaben der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin bildet Frankreich demnach mit 38,4 Wochenstunden das Schlusslicht im europäischen Vergleich, Spitzenreiter ist Rumänien mit 41,8 Stunden.

Europa, die Festung

Letztens habe ich einen sehr ergreifenden Artikel in der taz gelesen:

Georges’ Odyssee durch Afrika

Dort beschrieben wird die über einjährige “Reise” eines Kameruners, der nach Europa wollte, um vor den Unruhen zu fliehen, bei denen bereits 100 Jugendliche von der Regierung getötet worden waren. Ein Jahr lang war er unterwegs und hat teilweise Schreckliches erlebt. Vor allem – und das ist wahrscheinlich DAS Problem der Menschheit – wie sich Einzelne und Gruppen die aussichtslose Lage anderer zu Nutze machen und diese bestehlen, ausbeuten, misshandeln oder sogar umbringen.

African Portrait

So lange ich dieses Thema auch drehe und wende in meinem Kopf, zu einem endgültigen Schluss komme ich nicht. Mir fehlen einfach die Informationen, aber eins ist klar: So wie es jetzt läuft, ist es schrecklich.

Meiner Meinung nach liegt es klar auf der Hand, dass es nicht nur für uns eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass man überall leben kann, wo man möchte. Wenn ich jetzt nach Nepal, Costa Rica oder Australien ziehen möchte, werde ich wohl kaum beim Versuch, dorthin zu gelangen von der Polizei aufgegriffen und in ein Flüchtlingsgefängnis in einem Land gebracht, das weder die Genfer Flüchtlingskonventionen unterschrieben hat, noch anscheinend in der Lage oder Willens ist, die Menschen würdig zu versorgen. Bei den Menschen, die im Mittelmeer von italienischen oder libyschen “Gesetzeshütern” aufgegriffen werden, wird ja nicht einmal geprüft, ob ein Asyverfahren eingeleitet werden sollte.

Das ist alles pure Anmaßung – wir müssen unseren Wohlstand verteidigen, wir müssen uns vor “denen” schützen. Das ist wie in der Schule das Kind mit den weniger betuchten Eltern nicht zum Geburtstag einladen und ihm keine Bonbons abgeben, mit dem kleinen Unterschied, dass es hier um Leben geht.

Die Welt war ursprünglich mal für alle da, bevor einige Wenige sie eingeteilt haben und wir hier uns dann glücklich schätzen konnten, nicht dort, sondern hier geboren zu sein.

Ich kann bestimmt keine Lösung aus dem Ärmel schütteln, bei mir können die nicht alle wohnen und ich kann ihnen weder Essen und Trinken, noch einen Job besorgen. Aber vielleicht sollten wir mal ein bisschen weniger Waffen liefern, ein bisschen weniger poltisch-taktisch die Gelder fließen lassen, ein bisschen weniger glauben, dass die Bewohner des afrikanischen Kontinents alles ungebildete und unqualifizierte soziale Störenfriede sind. Vielleicht sollten die Menschen, die zugucken und mitmachen und Geld scheffeln bei der Unterdrückung, Ermordung und Zerstörung mal ein bisschen schlechter schlafen.

Ich konnte es nämlich nicht mehr, nachdem ich den Artikel gelesen habe…

Der Wahl-O-Mat ist da

Europa Wahl-O-Mat

Der Europa-Wahl-O-Mat! Dann muss man auch keine seitenlangen Wahlprogramme lesen, um sich zu entscheiden ;)