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Nichts ist so alt wie die Zeitung von morgen
Genauer gesagt, die taz. Genauer gesagt, für mich. So wie für alle anderen Digi-Abonnenten auch.
Nachdem letzten Samstag mein Jahresabo ausgelaufen ist, fehlte sie mir ab Montag direkt. Immerhin ist sie doch die Zeitung, der ich wegen ihrer Fast-Unabhängigkeit von Anzeigen-Kunden als einziger zunächst mal alles glaube. Dabei ich habe ich sie kaum gelesen in den letzten Wochen, weil sie nach Bochum geliefert wurde, während ich eher in Rheydt rumturnte. Scheinbar führt aber schon das Vorhandensein eines Zeitungs-Abos dazu, dass ich mich informiert fühle. Mit der Fitness-DVD im Wohnzimmer-Regal verhält sich das übrigens ähnlich *räusper*
Jedenfalls musste die taz sofort wieder her. Aber nicht als dieser Papierberg des letzten Jahres, der mich permanent mit einem schlechten Gewissen ausstattete, wie er da teils so unangetastet im Abstellraum lag. Eine Datei tötet keine Bäume und wenn ich sie mal nicht lese, kann ich das auch irgendwie besser verkraften. Außerdem kostet sie weniger als ein Drittel der Papier-taz. Und ich habe es nicht so mit hohen Fixkosten.
Die Datei kann man sich als PDF, Text, HTML, Linkliste und als meiner Meinung nach sehr gut gemachtes epub downloaden. Ich habe mich für letzteres entschieden, da es mir am besten gefällt. Denn es gibt immer zuerst eine Gesamtansicht der Seite:
Und dann die einzelnen Artikel in Textform:
Mit der von der taz empfohlenen iPhone-App “Stanza” kann man bequem lesen, Schriftart und Größe individuell einstellen und auch Markierungen machen. Und als kleinen Bonus gibt es abends schon die Zeitung vom nächsten Morgen. Abends hab ich sowieso mehr Zeit zum lesen (auch wenn die taz wohl keine geeignete Einschlaf-Lektüre ist). So bin ich morgens schon perfekt informiert für den Tag. Daumen hoch!
Happy Birthday taz!
Am Wochenende hatte nicht nur der Mate Geburtstag, sondern auch die taz, meine neue Lieblingszeitung. Die wurde nämlich 30, hat sich zur Feier des Tages runderneuert und das war eine echt interessante Sache, vor allem aus meiner Werberinnen-Sicht. Leider hat sie es vor lauter feiern nicht geschafft, am Samstag mein Probe-Abo zu starten, aber ich hab’ noch eine bekommen. Diese Ausgabe ist nämlich bestimmt ein Meilenstein der deutschen Mediengeschichte.

Das ist nicht die erste neue, sondern die zweite
Beim Durchblättern war ich nicht nur vom neuen Layout begeistert, sondern auch echt gerührt von den Geburtstags-Glückwünschen. Andere Zeitungen, Verlage und Firmen haben es sich nicht nehmen lassen, teilweise ganzseitige Anzeigen zu buchen, um zu gratulieren. Bis auf den Stern haben sie sich teilweise was richtig cooles einfallen lassen.
Der Spiegel hat eine ganze rote Seite gebucht (das kostet immerhin 11.000 EUR normalerweise), auf der minimalistisch “tazächlich – Schon 30? Der SPIEGEL gratuliert!” zu lesen war.
Die FAZ gratulierte ebenfalls ganzseitig “zur Feier des Tages mal linksbündig”.
Der Axel Springer Verlag ließ auf einer Seite verlauten, es sei doch schön, in ein Alter zu kommen, in dem man Cocktails trinkt, anstatt sie zu werfen.
Am coolsten fand ich allerdings den wohl schlimmsten Kapitalisten ;) Porsche verkündete unter einem schicken 911er: Der aufregendste Platz war schon immer vorne links! Chapeau!
Auch die Grünen gratulierten per Anzeige zum 30sten, die Linke hat allerdings nur profane Werbung geschaltet. Tja :P
Ich bin keine Grasroot-Bewegung!
Ich weiß ja nicht mal, was das ist! Der Spiegel hat einen Artikel über mich über die Blogger, die bei Grünen-Veranstaltungen bloggen, geschrieben. Und ich bin seltsam berührt. Schon wieder ist es hämisch und spöttisch und schon wieder stehen Dinge darin, die schlicht falsch sind. Da heißt es z.B.:
Die Zulassung von Bloggern zu Partei-Events schafft darum nur die Illusion einer Gleichbehandlung, eines Ernstnehmens als Berichterstatter. Enttäuschend für die Polit-Strategen: Die meisten Blogger durchschauen das.
Achso, Mist, die haben mich reingelegt. Ich bin gar kein Journalist! Wie peinlich, dass ich das nicht wie die anderen Blogger durchschaut habe!
Oder:
Wie bei allen anderen Parteien erscheint also auch die Web-Aktivität der Grünen vor allem als Simulation von Web-2.0 und Community-Aktivität.
Huch, ich bin gar keine echte Bloggerin.
So meldete sich auf die Ausschreibung für den Hagener Parteitag kein einziger Blogger.
Noch schlimmer, es gibt es mich überhaupt nicht! *schluchz*
Bei den Bloggern handelt es sich aber sicher um eine Grasroot-Bewegung, die den Grünen ansteht.
Äh…? Siehe oben.
Per Kommentar hat der Schreiber es dann richtig auf den S*** bekommen, von wegen Journalisten bekommen ja nie Zuwendungen irgendwelcher Art, damit auch ja ihre Unabhängigkeit gewahrt wird. Kann ich nichts zu sagen. Aber ich weiß, dass meine einzige Info an dem Wochenende war “Bei dem, was du bloggst, bist du völlig frei”. Und ich hab geschrieben und veröffentlicht und es wurde nicht vorher geprüft. Und dass ich eine Fahrt und zwei Übernachtungen bezahlt bekommen habe, die ich sonst überhaupt nicht getätigt hätte, ist schon der Knaller. Dafür schreibe ich jetzt nur noch, was die Grünen wollen. Für immer.
tazächlich, ne richtige Zeitung!
Der Spiegel hat mich enttäuscht, da muss ich jetzt einfach mal in anderen Gefilden stöbern. In meinen ignoranten Zeiten habe ich die taz mit ganz dubiosen Menschen in Verbindung gebracht und für eine ja fast terroristisch linke Propaganda-Zeitschrift gehalten – wohl gemerkt, ohne jemals einen Blick hineingeworfen zu haben. Nun ja, mittlerweile bin ich da etwas offener und so bin ich gestern zum Kiosk gegangen und habe furchtlos nach der aktuellen Ausgabe gegriffen.
Die Kioskfrau fragt: “Diese Zeitung soll es sein?” – (Schaut sie irgenwie komisch?) Ich: “Eh.. ja… bitte.”
Oh oh, ich habe eine Militärjacke an und kaufe eine taz. Ein bisschen verunsichert schaue ich mich nach dem Verfassungsschutz oder wenigstens der Drogenfahndung um, es ist aber niemand zu sehen und ich kann ungestört nach Hause gehen und lesen.
Und siehe da, es ist eine echte Zeitung. Mit verschiedenen Themen und kleinen und großen Artikeln, die im Querschnitt ziemlich interessant sind. Sogar ein CDU-Mensch wurde interviewt ohne beschimpft zu werden. Kultur und Fernsehprogramm gibt es auch. Und die 20 Seiten sind ein humanes Pensum für einen Abend. Ich denke, ich werde es wieder tun! ;)
Kleiner Fehler, großes Misstrauen
Seit einiger Zeit lese ich den Spiegel, mittlerweile schaffe ich es sogar bis über die Hälfte, bis der neue kommt ;) Und auch wenn man überall hört, wie sehr er abgebaut hat, dachte ich doch, es sei eine gute Möglichkeit, mich einigermaßen objektiv über das aktuelle Geschehen zu informieren. Aber nein, ich wurde enttäuscht. Die Ausgabe der letzten Woche enthält unter anderem einen leicht hämischen Artikel über den Streit der Grünen, ob es einen Ampel-Wahlkampf geben soll oder nicht. Soweit in Ordnung – jeder darf das finden und kommentieren, wie er möchte. Wenn man aber die Tatsachen ein wenig verdreht, um seine Meinung zu unterstreichen, ist das nicht mehr in Ordnung.
Da ich ja zufällig selbst auf der LDK in Hagen gesessen habe, kann ich wohl sehr genau beurteilen, was da abgelaufen ist. Der Spiegel schreibt: “Ständig wurde ihre [Renate Künasts] Rede von Zwischenrufen unterbrochen, der Parteilinke Robert Zion rief: ‘Wir gehen mit euch durch dick und dünn, aber nicht durch dick und doof!’ ” Ich schätze, es waren drei oder vier Zwischenrufe und das bei einer Redezeit von ca. 15 Minuten – unter ständig verstehe ich etwas anderes. Und Robert Zion hat das gerufen, allerdings nicht dazwischen, sondern nachher bei seiner Rede vorne auf der Bühne. Es ist nur eine Kleinigkeit, das ist mir klar, aber ich finde es sehr unseriös, die Fakten zu schminken, damit der Grundtenor des Artikels besser rüberkommt. Und jetzt kann ich doch nicht mehr glauben, dass die ganzen anderen Dinge auch wirklich so passiert sind…



