Blümchenguerilla

Im täglichen Kampf für eine bessere Welt

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Das Heidenkind in der Umweltbank

Freitag hab’ ich es vollbracht: Raus aus der Kirche, rein in die GLS-Bank.

Schritt 1 führte mich ins Amtsgericht Bochum. In einem Gericht war ich schon so lange nicht mehr, dass ich mich doch sehr über die Flughafen-Zustände dort gewundert habe. Und wie immer wurde mir komisch, mein kostbares Handy durch die Röntgenstrahlen zu schicken. Es zeigte sich aber zum Glück unbeeindruckt. Die zwei Damen in “Zimmer 221 – Kirchenaustritt” waren wirklich sehr freundlich. Da ich weder Studentin noch HartzIV Empfängerin bin, hat mich das Ganze 30 EUR gekostet und nach ca. 10 Minuten wurde ich rechtsbelehrt und bin nun ja – was eigentlich? Bin ich jetzt keine Christin mehr? An Gott habe ich ja vorher schon nicht richtig geglaubt. Auf jeden Fall war das ein ganz komisches Gefühl, als ich mit dem Satz “Sie sind nun konfessionslos” entlassen wurde. Ein bisschen schuldig sogar. Was ich eine Unverschämtheit finde. Und ein bisschen frei und revolutionär. Was ich toll finde. Als ich dann vor dem Gericht Toto & Harry gesehen habe, war ich aber auch schon wieder abgelenkt und hab nicht mehr drüber nachgedacht.

Schritt 2 führte mich dann im Regen patschnass geworden zur GLS-Bank. Irritiert stand ich vor dem roten Gebäude. Wirkt so aggressiv, in meiner Vorstellung war es frühlingshaft grün-weiß ;) Innen drin sieht es aber sehr schön aus, ist allerdings keine Bank, sondern ein Verwaltungsgebäude. Von der Dame am Emfpang wurde ich freundlich empfangen, danach war ich allerdings ein wenig enttäuscht. Ich muss dazu sagen, dass die Dame, die mich beraten hat, wohl sehr von mir überrumpelt wurde (auch sie war gerade patschnass aus dem Regen gekommen), denn eigentlich muss man einen Termin vereinbaren. Das war aber nicht meine Schuld, denn ich hatte vorher angerufen und man sagte mir, ich könne ruhig vorbeikommen. Jedenfalls war auch die Berater-Dame sehr freundlich, aber sie und alle anderen dort sahen wie ganz normale BänkerInnen aus. Ich weiß nicht, ob ich jetzt Strickpullis und Bio-Yogitee erwartet hab, aber dass das Gespräch in seiner ganzen Atmosphäre und seinem Inhalt 1:1 war wie bei der Deutschen Bank damals, fand ich irgendwie ernüchternd. Kein einziges Mal fielen Wörter wie “Umwelt”, “Ethik” oder “Nachhaltigkeit” und einen Satz wie “Schön, dass Sie sich für uns entschieden haben” oder “Wir freuen uns, Sie als Kundin gewonnen zu haben” habe ich auch nicht gehört *schmoll* Ich denke, ich werde trotzdem eine zufriedene GLS-Kundin, aber in die Zentrale gehe ich glaub’ ich vorerst nicht mehr.

Benedikt… Es ist aus!*

Oh weh, mich plagt die Gretchenfrage! Ich bin katholisch, aber warum eigentlich? Den Gedanken, aus der Kirche auszutreten, hatte ich schon vor Jahren zum ersten Mal, hab es aber immer wieder vergessen und für unwichtig befunden. Die jüngsten Ereignisse und Enthüllungen über die Organisation “Katholische Kirche” und vor allem die internen Kommentare dazu habe ich mit Entsetzen verfolgt und immer wieder den Gedanken gehabt, wie man mit denen etwas zu tun haben möchte. So ein elitärer, reaktionärer, ignoranter Sch***-Laden!

Aber Moment! Ich HABE etwas mit denen zu tun. Ich bin ein offizielles Mitglied und unterstütze sie jährlich mit einem nicht ganz so geringen Betrag. Dies ist allerdings hoffentlich bald Geschichte. Mir reicht es und ich trete aus. Und ich hoffe, dass dies viele Menschen tun, damit die endlich mal aufwachen! Es ist schade für all die lieben Menschen in den “unteren Ebenen”, die vermutlich sogar zu einem Großteil tolle Arbeit machen und Menschen helfen, aber was genug ist, ist genug.

Jetzt stellt sich mir nur noch eine wichtige Frage: Werde ich evangelisch oder lasse ich es ganz mit dem Christ-Sein? Mit den christlichen Werten kann ich mich ganz gut identifizieren und auch wenn ich nicht klassisch an Gott glaube (Bart, Himmel usw.), bin ich der Überzeugung, dass “da” noch “etwas” ist, außer unserem alltäglichen, oberflächlichen Leben hier auf der Erde. Außerdem halte ich viele kirchliche Einrichtungen und Projekte für sehr sinnvoll und gebe dafür gerne einen Teil meines Geldes her. Und Frau Käßmann ist mir aus den verschiedenen Zeitungsartikeln der letzten Monate mit ihrer Einstellung auch sehr sympathisch. Allerdings hab ich bis auf ein paar grundsätzliche Dinge keine Ahnung, wo da jetzt die großen und kleinen Unterschiede liegen. Und außerdem, nehmen die mich denn so einfach? ;)

Ist da wer?

* übrigens angelehnt an die Dönerladen-Szene aus "Herr Lehmann". Großartig.

And in the left corner: Goooooood!

Wir hatten hier eine lustige Diskussion im Büro, wer die besten Regeln für eine bessere Welt erlassen hat. In der ersten Runde traten die zehn Gebote gegen die Regeln des Zen-Buddhismus an. Ich wettete vorher schon auf die letzteren, aber für einen fairen Wettbewerb, hier die Einzelheiten:

Die zehn Gebote

  1. Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Äh, nö…?
  2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren. Ist OK, aber macht nicht die Welt besser.
  3. Gedenke, dass Du den Sabbat heiligst. Äh, da hab ich doch endlich Zeit, alles zu erledigen…?
  4. Du sollst Vater und Mutter ehren. Check. Also es kommt darauf an, auch sie können extrem falsch liegen.
  5. Du sollst nicht töten. Check.
  6. Du sollst nicht die Ehe brechen. Check.
  7. Du sollst nicht stehlen. Check.
  8. Du sollst kein falschen Zeugnis geben über Deinen Nächsten. Check.
  9. Du sollst nicht die Frau Deines Nächsten begehren. Check.
  10. Du sollst nicht das Hab und Gut Deines Nächsten begehren. Check.

Ergebnis: Sieben Gebote, an die ich mich gerne halte und die, wenn das jeder tut, alles gut machen. Zwei sind dem Allmachtsanspruch entsprungen, auf solch egoistische Sichtweisen können wir bei der Rettung der Welt leider keine Rücksicht nehmen ;) Und der Sabbat, joah, irgendwann muss man auch mal Ruhe haben, aber ob das essentiell ist…?

Und hier die Zen-Regeln

  1. Kein Lebewesen töten. Check.
  2. Nichts nehmen, was einem nicht bereitwillig gegeben wurde. Check.
  3. Sexualität mit Respekt gebrauchen. Check.
  4. Nicht lügen. Check.
  5. Nicht maßlos sein mit Essen und Trinken. Check.
  6. Nicht selbstgefällig oder überheblich sein. Check.
  7. Nicht geizig sein. Check.
  8. Nicht zornig werden. Äh.. Check.
  9. Nicht dogmatisch sein. Check.
  10. Nicht Buddha, Dharma oder Sangha missbrauchen. Ist OK, aber macht nicht die Welt besser.

Neun gute Regeln und nur eine, die nicht den Weltfrieden bringt. Hab ich’s doch gewusst! Buddha hat’s einfach drauf ;)

P.S.: Dies hier ist keine Gotteslästerung, sondern eine ironisch-humorige Erhebung, nach welchen Maßgaben, das Zusammenleben der Menschen funktionieren könnte! Und die zitierten Gebote und Zen-Regeln sind vielleicht nicht ganz korrekt. Man könnte auch sagen: Alle Angaben ohne Gewähr.