Blümchenguerilla

Im täglichen Kampf für eine bessere Welt

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Grüner Samstag

Am Wochenende war ich mal wieder mitten drin im Grünen Geschehen, und zwar als offizielle Bloggerin der LDK (Landes-Delegierten-Konferenz) in Essen. Ziel der LDK war, das Landtagswahlprogramm gemeinsam zu diskutieren und zu verabschieden. Und obwohl die Grünen eine sehr diskussionsfreudige, basisdemokratische Partei sind (so sehr, dass es manchmal ganz doll nervt), ist uns das auch äußerst schnell gelungen. So schnell, dass der zweite Tag der LDK (Sonntag) mal eben abgesagt werden konnte. Oh, wie schade! ;)

Auf jeden Fall gab es da viele interessante Leute und weil ich ja berichten musste, hab ich immer gut zugehört und bin jetzt total im Bilde. Ich weiß, das hab ich bei Europa-, Bundes- und Kommunalwahl auch gesagt, aber jetzt sage ich es wieder und meine das auch ganz genau so: Bei der Landtagswahl ist es am besten, die Grünen zu wählen, selbst wenn da eventuell schwarz-grün bei rauskommt. Dafür, dass diese Option nicht kategorisch ausgeschlossen wurde, hat es schon viel Schelte in den Medien gegeben.

Natürlich möchten wir lieber rot-grün, aber ist schwarz-grün nicht besser als schwarz-gelb? Ich persönlich bin da eher pragmatisch. Und gerade auf Landesebene mit den beiden dicken Themen Energie und Bildung muss sich ganz ganz dringend was ändern. Klimaschutzgesetze mal eben umschreiben, damit noch ein Riesen-Kohlekraftwerk gebaut werden kann? No go!

Und zum Glück hatte ich einen Top-Fotografen dabei, damit ich mich ganz auf’s Schreiben konzentrieren konnte ;)


Sylvia Löhrmann, unsere Spitzenkandidatin für den Landtag


Arndt Klocke, Landesvorstand und Mister LDK ;)


Claudia war auch da. Mag den Rüttgers auch nicht.


Ich, schwer beschäftigt


Keine Kohle mehr für Kohle


Love Earth. Love People. Love Future.

Die beschränkte Welt des Herrn R. aus K.

Wenn irgendjemand so etwas erzählt, ist das schon beleidigend, schwachsinnig und haarscharf an der Grenze zum Rassismus. Wenn jemand so etwas erzählt, der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist (was sich hoffentlich nächsten Juni erledigt hat) und dies auch noch öffentlich tut, ist das wirklich kaum zu fassen.

Natürlich hat er das ja alles nicht so gemeint und wollte niemandem zu nahe treten und niemanden verletzen. Stammtischparolen, die die Leute für dumm verkaufen sind das. Ich hasse diesen Muff!

Die deutschen sind also die Fleißigen? Interessante These…

Ich möchte hier mal beispielhaft von meinem Quasi-Kollegen Andrei N. berichten, der in Rumänien (na so ein Zufall) in einer Software- und Internetfirma arbeitet, mit der wir viele Projekte realisieren. Wenn ich morgens ins Büro komme und Skype anmache, ist er schon online (gleichbedeutend mit “am Arbeitsplatz”). Ist ja normal, wegen der Zeitverschiebung. Wenn ich aber nachmittags gehe – auch wenn ich länger bleibe, was nicht besonders oft vorkommt – ist er noch online. Und wenn ich am nächsten Morgen zur Arbeit komme, habe ich oft E-Mails von ihm mit der deutschen Zeit 18:30 o.ä. Das muss dann wohl eine Ausnahme sein.

Und wer es lieber wissenschaftlich mag:

Nach Angaben der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin bildet Frankreich demnach mit 38,4 Wochenstunden das Schlusslicht im europäischen Vergleich, Spitzenreiter ist Rumänien mit 41,8 Stunden.

Was erlaube Bürger?!

Mir gehen ja die Leute grad nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht, wie oft ich am Samstag den entrüstet bis unverschämt geäußerten Satz “Wählen?? Ich geh doch nicht wählen!! Die da oben lügen eh alle und machen alle das gleiche!!” gehört habe. Leicht variiert auch mit “Ist doch alles dieselbe Scheiße!” oder “Egal, was ich sage, die machen doch sowieso was die wollen!”.

Wie viel Eindruck macht man da wohl als freundliche, junge Frau mit einem “Ähm, nunja… Also ich persönlich setze mich wirklich für die Belange der Allgemeinheit ein. Und lügen tu ich normalerweise auch nicht!”? Hab ich nicht ausprobiert, um ehrlich zu sein. Wer will schon mitten in der Stadt laut ausgelacht werden? Stattdessen habe ich immer nach den Gründen für die Resignation gefragt. Auch die Antworten darauf waren ziemlich überschaubar und lassen sich mit “Ich bin arm und die Politiker fahren dicke Autos!” zusammenfassen. Dann musste ich über die Frage nachdenken, was für Autos die Grünen wohl fahren und bin wegen der wahrscheinlichen Antwort aus dem Konzept gekommen. Ich kann so nicht arbeiten! Ich finde ja ohnehin, sie sollten überhaupt keine Autos fahren. Aber darum geht es hier jetzt gerade nicht.

Auf jeden Fall habe ich noch keine patente Reaktion gefunden. Ich wünsche mir wirklich, dass es allen gut geht. Und ich wünsche mir, dass alle wählen gehen. Solange es nicht die NPD oder etwas in der Art ist, sollen sie auch ruhig wählen, was sie möchten (bin ich nicht demokratisch?). Aber wenn sie die Regierung scheiße finden, dann sollen sie jemand anderen wählen. Und wenn ihnen nicht gefällt, was die Regierung entscheidet, dann sollen sie protestieren. Und auch jemand anderen wählen. Und wenn sie nur schimpfen und sich nirgendwo einmischen, dann sollen sie sich nicht wundern, dass sich nichts ändert. Oder weiter DSDS gucken und mich nicht auf der Straße beschimpfen.

Klingt wütend. Ist auch so. Pah!

Einstecken lernen

Wenn man in der Stadt Bio-Ostereier verschenkt, scheint das eine schöne Sache für die Leute zu sein. Wenn man Ihnen dagegen Infos und Ideen zur Europa-Wahl vermitteln möchte, womöglich noch grüne Infos und Ideen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Eigentlich war es ein schöner Tag, aber es fiel schon deutlich schwerer, die Motivation aufrecht zu erhalten.

Einige Menschen waren schon grün, mit denen hab ich mich einfach nett unterhalten. Die Kinder haben sich über die Luftballons und die Gummibärchen (Bio, natürlemeng) gefreut. Dann gab es kritische Menschen, die diskutieren wollten und über die ich mich gefreut habe, aber leider bin ich kein Experte für alles und kann z.B. keine genauen Wachstumszahlen der Branche “Erneuerbare Energien” auswendig. Dann waren da noch die, die schon erschrocken einen Bogen machten, damit wir sie bloß nicht ansprechen. Aber auch das ist ja okay, wir wollen ja niemanden zwingen.

Auf den Mann, der erst scheinbar interessiert zuhörte, um dann lautstark zu verkünden, diese Pack-Partei sollte aus der politischen Landschaft verschwinden und wir sind alle Ar***löcher, hätte ich dann allerdings gerne verzichtet. Oder auf die letzten, die an unseren Stand kamen, nachfragten, was wir dafür tun, dass sie einen deutschen Pass bekommen, um dann zu sagen, es sei eh egal “Ich such mir deutsche Frau, sag ich ich liebe dich und so, heirate ich die und schmeiß die weg, wenn ich meine Papiere hab!”

Ommh, ich glaube fest an das Gute Menschen. Meistens jedenfalls…

Der rote Ordner

Hehe, da hab ich gestern was lustiges im aktuellen Spiegel gelesen. DIE LINKE hat wohl an jeden Wahlhelfer bundesweit einen roten Ordner mit Anweisungen zum Wahlkampf verschickt. Darin stehen sinnvolle Anweisungen wie “Wir gehen ans Telefon, wenn uns jemand anruft” (werd ich demnächst mal testen!) und “Eine Schreierei am Infostand macht einfach einen schlechten Eindruck” (also nicht zu radikal, ne?). Der Knüller ist aber, dass man ruhig mit bunten Haaren und Piercings am Infostand stehen darf, aber nicht “unter Drogeneinfluss”. Schade eigentlich, eine Diskussion mit einem bedröhnten Linken, der nicht schreien darf, wär vielleicht lustig geworden ;)