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Das Anti-Konsum-Experiment
Der Kassensturz nach London hat es gnadenlos ans Tageslicht gebracht: Diesen Monat bin ich so gut wie pleite. Der Umzug mit all seinen Nebenkosten lastete ja auch noch schwer auf dem Budget und den London-Trip haben wir zwar geschenkt bekommen, das Taschengeld dazu allerdings nicht. Kurz und gut, ich muss sparen. Da mir sparen alleine aber zu langweilig ist, mache ich wieder mal ein Projekt daraus. Mein mittel bis stark ausgeprägte Kauflust und Werbe-Anfälligkeit machen das auch ziemlich interessant.

Bild via sxc.hu – Allie Hylton
Und so funktioniert das: Im August ist es verboten, irgendetwas zu kaufen, was ich nicht dringend benötige. Ich darf also Lebensmittel kaufen, gewisse Drogerie-Artikel (Gesichtscreme und Deo ja, das tolle Himbeer-Glitzer-Peeling nein), Futter für die Mäuse usw. Alles andere landet, sobald der “Och, das hätte ich gerne, das kauf ich mir”-Impuls auftritt, auf einer Liste und nicht im Einkaufswagen. Am Ende des Monats schaue ich mir dann die Liste an und überlege, ob ich das denn wirklich alles gebraucht hätte.
Nach drei Tagen findet sich dort z. B. ein Moleskine-Kalender für 2011, eine Regenhose von Tchibo, Nagellack und eine neue Brille. Die Gegenargumente fallen nicht schwer: Einen schwarzen Kalender gibt es von zig Firmen viel günstiger und außerdem ist es noch zu viel zu früh, einen Kalender für nächstes Jahr zu kaufen. Außerdem finde ich die künstliche Verknappung der Moleskine-Produkte unverschämt. Ich habe dieses Jahr beim Fahrradfahren genau ein Mal nasse Beine bekommen und das war nicht schlimm, weil ich mir zu Hause einfach eine trockene Hose angezogen habe. Ich habe drei verschiedene Nagellacke zu Hause und lackiere mir nicht mal dauernd die Nägel. Und meine jetzige Brille ist weder kaputt, noch hat sich meine Sehstärke verändert.
Bisher läuft es also gut. Am Ende des Monats werde ich vermutlich ziemlich stolz auf mich sein und finanziell entspannt in den September starten können. Und mir jede Menge neue Sachen kaufen? Ich hoffe doch sehr, es hat einen etwas nachhaltigeren Effekt…
Übrigens… Wie gerufen hat ein Facebook-Freund gestern dieses Video gepostet. Radikal, aber frappierend. Ich höre lauter Protestschreie und sehe eine Wolke aus abers, bin aber überzeugt, dass die Essenz völlig richtig ist.
Denkt einfach mal drüber nach…
You don’t have to be pretty

You don’t owe prettiness to anyone. Not to your boyfriend/spouse/partner, not to your co-workers, especially not to random men on the street. You don’t owe it to your mother, you don’t owe it to your children, you don’t owe it to civilization in general. Prettiness is not a rent you pay for occupying a space marked “female”.
(from “A Dress A Day” blog)
Wir sind hier nicht bei “Wünsch dir was”:
Sondern bei “So isses”:
Nochwas zu Mc Donald’s
Ich gebe zu, dass ich mit dem Recherchieren noch nicht weitergemacht habe, aber heute ist mir das hier in die Mailbox geflattert. War wohl nicht so wirklich was mit lokaler, idyllischer Landwirtschaft…
Ich liebe es… so zu tun als wäre ich verantwortungsvoll!
Mc Donald’s – seines Zeichens Multigigaweltherrscherüberalleskonzern, behauptet ja aus mir unerfindlichen Gründen gerne, dass ihm unheimlich viel an gesunder Ernährung und gesunder Lebensweise liegt. Zitat Webseite:
Unser Anspruch – für ein aktives Leben begeistern!
Das Ganze ist schön flankiert von satten Weizenfeldern im Sonnenlicht, frischem Gemüse und Kartoffeln.
Außerdem heißt es dort:
Bei McDonald’s haben Sie Ihre tägliche Balance ganz einfach im Blick, denn auf unseren Produktverpackungen finden Sie alle wichtigen Angaben: Kilokalorien, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett und Salz. Außerdem steht dort der empfohlene durchschnittliche Tagesbedarf (GDA), der von einem Gremium aus unabhängigen Experten und McDonald’s entwickelt wurde.
So können Sie Ihre Lieblingsprodukte von McDonald’s unbeschwert genießen – ohne dabei eine ausgewogene Ernährung aus den Augen zu verlieren.
Ich finde ja, Produkte von Mc Donald’s unbeschwert genießen können ist schon ein Widerspruch – man denke nur mal an das Gefühl im Bauch nach einem Bic Mac, einer Cola und einer Portion Pommes. Es gibt auch Stimmen, die meinen, der Tagesbedarf sei sehr großzügig berechnet. Es gibt auch Stimmen, hauptsächlich lachende, die die Verbindung von Mc Donald’s und Topmodels, die in der Werbung suggeriert wird, nicht so ganz nachvollziehen können.
Und letzte Woche habe ich da wieder ein kleines Detail bemerkt, dass irgendwie nicht so ganz ins propagierte Konzept passt. Unter anderem im Film Supersize Me wurde ja bemängelt, dass die Mitarbeiter einen immer fragen, ob man das Menü nicht in groß oder riesengroß haben möchte. Zumindest am Düsseldorfer Flughafen ist das so, dass man auf jeden Fall ein großes Menü bekommt, wenn man nicht explizit nach dem normalen fragt. Ist mir dann auch passiert. Aber ich habe nicht aufgegessen, ha! Und als ich ein Beweisfoto machen wollte, um den winzigen Hinweis auf das normal-große Menü zu dokumentieren, wurde ich freundlich daran gehindert. Ist denen wohl irgendwie unangehnem…
Warum können die nicht einfach sagen, wie es ist – natürlich nur meiner bescheidenen Meinung nach:
Unser Essen ist ernährungstechnisch Schrott, aber es ist manchmal einfach geil?!

