Blümchenguerilla

Im täglichen Kampf für eine bessere Welt

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Simpel, aber essentiell

Kästen schleppen? Plastikrückstände, Uran und Hormone trinken? Den bis zu 10.000-fachen Preis bezahlen?

Warum eigentlich??

Übrigens:

Da die Trinkwasserqualität nicht nur vom Trinkwasser selbst, sondern auch von den Rohren und Armaturen im Haus abhängt, kann man z.B. bei Stiftung Warentest sein Wasser analysieren lassen.

Herzlichen Glückwunsch, Lebensmittel-Lobby!

Ich bin sauer. Das EU-Parlament hat die Lebensmittel-Ampel gekippt! Dies ist vor allem wieder einmal ein Sieg für die großen Lebensmittel-Konzerne. Die jetzt auch weiterhin damit Geld verdienen, uns Dinge vorzutäuschen, die nicht den Tatsachen entsprechen.

Aber ein paar Sätze vorweg. Ich verstehe die Argumentation, dass jeder Mensch selbst in der Lage sein muss, sich zu überlegen, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. Ich will auch keine Armee von Nicht-Denkern, die blind auf irgendwelche Zeichen und Siegel achten. Auch will ich nicht bestreiten, dass es sonnenklar ist, dass eine Tafel Schokolade, eine Tiefkühlpizza und eine Flasche Cola kein gesundes Abendessen darstellen. Mir geht es um die Feinheiten der Kommunikation. In manchen Bereichen ist Lügen unter dem Namen “Betrug” verboten. In anderen Bereichen wird der Begriff “Lüge” gedehnt wie ein ausgeleiertes Gummiband.

Warum darf die von mir so gehasste Firma N**** auf ihr zuckriges Frühstücks-Produkt aus marketing-technischen Gründen “Fitness” draufschreiben und eine unglaublich schlanke Frauen-Silhouette daneben abbilden? Warum darf auf Schokolade “himmlich joghurt-leicht” stehen, wenn sie in Wirklichkeit noch mehr Kalorien hat als ganz normale Schokolade? Warum muss man nur Serviervorschlag schreiben und darf ungehindert lauter frische leckere Dinge abbilden, die im Produkt überhaupt nicht als Zutaten enthalten sind?Bin ich wirklich so dumm und unmündig, wenn ich denke, dass in Tomatensauce Basilikumblätter, Pinienkerne und Olivenöl drin sind, wenn genau diese Dinge auf dem Glas prangen? Muss ich wirklich jedes einzelne Produkt umdrehen und studieren, weil es erlaubt ist, dem Konsumenten frei und phanatsievoll zu suggerieren, was ihn bestmöglich zum Kauf verleitet?

Dies alles könnte ein wenig wieder ins rechte Licht gerückt werden, wenn auf den betreffenden Produkten wenigstens ein knallrotes, abschreckendes Symbol bei Zucker, Fett und/oder Salz prangen würde. Aber das würde ja die schöne, heile Werbe-Welt kaputt machen. Vielmehr schreibt die beschlossene Kennzeichnung (GDA) nun vor, dass die (von den Firmen frei wählbare) Prortionsgröße den Kalorien-, Zucker-, Fett- und Salzgehalt in % vom (meines Erachtens zu hoch gewählten) Tagesbedarf angegeben ist.

Eine Portion Früchte-Müsli vom Discounter A*** soll also laut Kennzeichung 40g sein. Die vom Mate und mir in der Regel gefrühstückte Menge beträgt 100g, ich habe es gewogen. Bei diesen 100g handelt es sich um ein zu ca. 2/3 gefülltes, unter dem Namen “Frühstücksschüssel” gekauftes Behältnis. Was sind wir nur für eklige Vielfraße, dass wir täglich die zweieinhalbfache Menge der “normalen Portion” essen?

Anderes Beispiel ChocoCrossies (die ich zum Glück nicht mehr esse). Die Portion wird, wenn ich mich recht erinnere mit 5 Stück angegeben. Also ich esse so eine Packung in ca. 15 Minuten auf. Beide Tütchen. Und wenn dies geschehen ist, finde ich unter den Tütchen einen Spruch wie “Huch! Sind sie da, sind sie weg”. Daran kann man natürlich deutlich erkennen, dass der Hersteller meint, man braucht mehrere Tage, um die Packung leer zu essen.

Was den Tagesbedarf angeht, verhält es sich ähnlich seltsam. Der ist z.B. für eine erwachsene Frau (wozu ich mich ja vermutlich zählen darf) mit 2.000 Kcal angegeben. Ich habe auf meinem iPhone spaßeshalber eine Kalorien-App, die mir je nach Bewegungsgrad zwischen 1.400 und 1.800 Kalorien am Tag erlaubt. An die halte ich mich auch ungefähr. Aus der Tatsache, dass ich weder nennenswert zu- noch abnehme, schließe ich nun, dass dieser Wert korrekt ist. Was passieren würde, wenn ich täglich 2.000 Kalorien zu mir nehme, möchte ich nicht ausprobieren. Ich kann es mir aber denken. Neue Jeans müssten her!

Wenn ihr mich fragt, das ganze ist einfach unverschämte Verarsche, um die lukrativen Produkte nicht als das zu entlarven, was sie wirklich sind: Ungesundes Zeugs, das doppelt so teuer ist wie selbstgekochtes, viel gesünderes Essen. Nicht zuletzt, weil die Werbung mitbezahlt werden muss, die diese Tatsache so raffiniert verschleiert.

Was ich nicht weiß…

… macht andere trotzdem unglücklich. Oder krank. Oder sogar tot.

Wir haben in unserem alltäglichen Leben ein großes Distanzproblem. Der Strom kommt aus der Steckdose, das Essen aus dem Supermarkt, die Klamotten von H&M und die CDs und Bücher aus dem Internet. Alles ist so schön günstig und wenn nicht hier, dann bestimmt woanders.

STOP!

Man muss sich nur mal vorstellen, die Distanz zur Herkunft unserer alltäglichen Dinge wäre plötzlich verschwunden.

Für ein Duplo oder eine Packung ChocoCrossies würden wir doch nie ein 9-jähriges  Nachbars-Kind einen Baum hochjagen und danach 10kg-Säcke schleppen lassen. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für einen leckeren Burger würden wir doch nie in unserem Hinterhof ein niedliches, kleines Kalb gewaltsam der Mutter entreißen, dann in der eigenen Scheiße stehend im Halbdunkeln mit viel zu wenig Platz mit Hightech-Futter maschinell vollstopfen, ihm verschiedene unnütze Körperteile abschneiden, um es dann irgendwann eingepfercht und verängstigt zum Schlachter zu bringen, wo es dann ebenso maschinell getötet und verarbeitet wird. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für den Strom, der aus der Steckdose kommt, damit wir unsere tollen Geräte aufladen und benutzen können, würden wir nie wollen, dass unsere Kinder und die unserer besten Freunde Atembeschwerden und Leukämie bekommen oder unseren Verwandten die komplette Ernte verdirbt, wenn wir doch wissen, dass sie davon leben müssen und ihnen dann beim verhungern zuschauen. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für das coole neue T-Shirt, das ja nur 10 EUR kostet (selbst wenn es 100 EUR kostet, muss das noch nix heißen), würden wir doch nie verlangen, dass unsere Eltern 16 Stunden am Tag für einen Hungerlohn in vollen, heißen Fabriken sitzen, dort ungeschützt mit giftigen Chemikalien hantieren und keinerlei Rechte haben.  Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Wir würden unsere Kinder nie das Wasser trinken lassen oder sie im Wasser baden, das wir im Bad den Abfluss runterrauschen lassen oder das die Chemiefabriken in die Flüsse leiten, damit alle tollen Produkte hergestellt werden können? Nein?  Aber woanders lassen wir es zu.

Klar haben wir immer die Entscheidung, was wir wann wo kaufen und es gibt auch Menschen, die leben komplett, ohne solche Dinge zu fördern, aber es ist auch so verdammt schwierig. Die Firmen lügen auf Verpackungen, in Anzeigen und Werbespots unverschämt das Blaue vom Himmel herunter. Jede Menge Entscheidungen treffen wir völlig unbewusst, weil uns jahrelang oder gar jahrzehntelang gewisse Dinge eingetrichtert wurden, so dass wir nicht mal auf die Idee kommen, sie mal in Frage zu stellen. Die Zusammenhänge der globalisierten Welt werden ja bewusst verschleiert. Und die Firmen schaufeln sich die Taschen voll. Klingt platt, ist aber so.

Wenn ich z.B. für eine Kanne Kaffee, 20 afrikanischen Familien das Trinkwasser wegnehmen müsste, 10 Bäume verbrennen, 20 Fische töten, 2 Arbeiter verprügeln und einem Kind verbieten müsste, in die Schule zu gehen, würde er mir gründlich im Hals stecken bleiben! Muss ich aber nicht.

Aber nachdenken kann ich. Wenigstens hier und da. Schonmal mit irgendwas anfangen. Ökostrom bestellen. Auch mal Bio ausprobieren. Nicht mehr zu McDonalds oder Burger King gehen. Mal wieder mit der Bahn fahren. Einfach mal testen und gucken, wie es sich anfühlt. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Und ohne dass es bei mir schlechter wird, wird es woanders vielleicht ein kleines bisschen besser. Und es verdient vor allem kein scheinheiliger Konzern mehr Geld mit meiner Unwissenheit und Untätigkeit.

The Big Sellout – Der große Ausverkauf

Gestern Abend war mal wieder Zeit vor lauter Kopfschütteln nicht mehr klarzukommen. Dank DVB-T empfangen wir jetzt einsfestival, einen echt interessanten Sender, auf dem ich schon mehrere gute Dokus und Filme gesehen habe. Und dank taz-Empfehlung haben wir “Der große Ausverkauf” geschaut.

Ein ehrenwerter britischer Eisenbahner, eine tapfere philippinische Mutter, eine resolute Süd-Afrikanerin und jede Menge andere Menschen, berichten, wie die Privatisierung der öffentlichen Versorgung (Strom, Wasser, Verkehr) sich auf ihren Alltag ausgewirkt hat. Missstände, Unfälle, 300% steigende Preise, Patienten, die von Ihren Angehörigen im Krankenhaus versorgt werden, weil kein Personal da ist – Der Werbefilm der Weltbank, der die Privatisierung als Allheilmittel für das Gemeinwohl anpreist, wirkt zwischen diesen Bildern auch völlig unkommentiert wie die pure Satire.

Was hat die FDP nochmal mit der Pflegeversicherung vor…?

Hier der Trailer:

Man kann auch den ganzen Film stückweise auf Youtube gucken.

Mensch, du bist gefeuert!

Menschsein und Arbeiten lässt sich scheinbar immer weniger miteinander vereinbaren.

Auf einem Blatt stehen die Chefs, die ihre Mitarbeiter wegen Frikadellen, Maultaschen, Babybetten vom Sperrmüll oder Pfand-Bons entlassen möchten. Mitarbeiter, die jahrelang im Betrieb waren und nun ohne Abmahnung gehen sollen. Mir jedenfalls drängt sich hier ganz klar der Gedanke eines Vorwands auf.

Aber an einer anderen Front – und das finde ich mindestens genauso bedenklich – kämpfen die ganzen “Karriere-Coaches”. Sie empfehlen der arbeitenden Bevölkerung und denen, die gerne dazu gehören möchten, bestimmte Verhaltensweisen entweder an den Tag oder schnellstmöglich abzulegen.

Wir sind keine Menschen mehr heutzutage, wir sind eine perfekt gekleidete Effizienz-Armee mit dem Smartphone auf 24/7-Empfang! Wahlweise auch eine Armee von still gehorsamen Discount-Arbeitern, die für einen lächerlichen Lohn, von dem sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, immer mehr und mehr Aufgaben übernehmen müssen.

Wer einmal an einem Montag Morgen getwittert hat, dass er müde ist, ist für die Wirtschaftswelt künftig untragbar. Keine Lust, dass der Urlaub schon zu Ende ist? Lieber Zeit mit der Familie oder den Freunden verbringen? Wie kann man es nur wagen, so etwas öffentlich zuzugeben? Ein Party-Foto im StudiVZ gehabt? Keine Chance mehr auf einen guten Arbeitsplatz! Frei haben wollen für einen Arzt-Termin? Sie haben wohl den Spirit unseres Unternehmens noch nicht verinnerlicht! Der Mensch hinter dem Arbeitnehmer muss jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit verschwinden, sonst wird er sofort in Frage gestellt.

Ich weiß nicht, in wie vielen Betrieben ein Klima von Angst, Druck und Psycho-Terror herrscht. Es müssen eine Menge sein. Selbst, wenn man sich an all diese Regeln hält, hat man keine Garantie, dass alles gut läuft am Arbeitsplatz. Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen nehmen immer weiter zu. Ich kenne einen, der musste sich jeden Montag Morgen vor der Arbeit übergeben, weil er so Angst hatte, seinem Chef zur Wochenanfangs-Besprechung gegenüber zu treten. Mittlerweile hat er Gott sei Dank einen anderen Job gefunden. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie gekündigt hat, weil sie die ständige Überwachung (Chipkarte, stündlicher Bildschirm-Scan, Telefoncheck) durch ihre Firma nicht mehr ertragen konnte. Heute Morgen hab ich noch gelesen, dass sich 25 Mitarbeiter der France Telecom sich wegen ihres Jobs umgebracht haben. Und wenn man sich mal die Gesichter der KassiererInnen in den üblich verdächtigen Discountern anschaut, sprüht da auch meist nicht gerade die pure Lebensfreude.

In was für einer Welt leben wir, wenn Menschen so fertig sind von der Sache, mit der sie täglich einen Großteil ihrer Zeit verbringen müssen? Wenn sie ihr gesamtes Leben nach den Profit-Zielen und CI-Regeln ihres Arbeitgebers ausrichten müssen?

Das Ganze ist doch irgendwie mal entstanden, weil der Dorf-Schreiner mehr zu tun hatte, als er alleine schaffen konnte und sich einen Gehilfen gesucht hat, dem er dann etwas von seiner Entlohnung abgegeben hat. Irgendwas hat sich da wohl falsch entwickelt im Laufe der Zeit…